VOM VERSCHWINDEN EINES RUFES
„Es war während meines Zivildienstes 2008 auf Fehmarn“, erinnert sich Moritz. Damals sei dort noch alles voll gewesen mit Moorfröschen. Heute sei die Art auch dort dramatisch zurückgegangen. In seiner Heimat Oberschwaben habe er dann festgestellt, dass kaum jemand diesen Frosch je gesehen oder gehört hatte. „Da war mir klar: Wir müssen etwas tun.“
Dabei kann der Moorfrosch ganz schön für Aufsehen sorgen: Während der Paarungszeit stimmen die Moorfrosch-Männchen nicht nur ihr Konzert an, sie färben sich auch für wenige Tage intensiv blau. Ein wahres Spektakel, um die Weibchen anzulocken – das den meisten Menschen aufgrund der Konzertbühne im tiefen Moor allerdings auf alle Zeit verborgen bleiben wird.
Doch der Moorfrosch spielt noch in anderer Hinsicht eine bedeutende Rolle. „Er ist eine Schirm-Art“, erklärt Moritz. „Er steht für weitere Arten, die auf ähnliche Lebensräume angewiesen sind, wie die Große Moosjungfer.“ Ein Rückgang des Moorfrosches sei also auch ein Indikator dafür, dass ein ganzes System aus dem Gleichgewicht gerät. Moritz vergleicht diesen Prozess mit einem Kartenhaus: „Wir können Karte für Karte herausziehen, aber irgendwann kracht das Haus zusammen.“ Der Rückgang der Arten sei kein abstraktes Phänomen, sondern sichtbar, messbar, spürbar. Und er beginne, sagt er, „nicht irgendwo – sondern direkt vor unserer Haustür.“
Der Rückgang des Moorfrosches – und damit vieler weiterer Arten – hat bekannte Ursachen: Moore wurden jahrzehntelang entwässert, übernutzt oder sich selbst überlassen. Was bleibt, sind zerschnittene Biotope ohne Übergangszonen. „Heute prallen oft ungenutzte Moorränder direkt auf intensiv genutzte Flächen“, sagt Moritz. „Ein weicher Übergang fehlt. Genau den versuchen wir wiederherzustellen.“