Präsenz als Schlüssel
Jérémie verbrachte selbst Nächte auf einer Schafalp und beobachtete mit Wärmebildgeräten die Interaktionen zwischen Wölfen und Herden. „Nach einigen Nächten habe ich schnell gemerkt, wie belastend diese Arbeit sein kann“, erzählt er. Gemeinsam mit anderen entstand daraus die Idee, ein Netzwerk aus Freiwilligen aufzubauen, die sich bei den Nachtwachen abwechseln.
Heute engagieren sich Hunderte Menschen für OPPAL. Sie kommen aus unterschiedlichsten Lebensrealitäten: Studierende, Pensionierte, Naturliebhaberinnen, Menschen aus Städten und Bergregionen. Was sie verbindet, ist die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. „Man weiß, warum man dort ist – und man sieht direkt, welchen Unterschied die eigene Präsenz macht“, beschreibt ein Freiwilliger die Motivation.
Die Nächte folgen keinem festen Ablauf. Manche bleiben ruhig, andere verlangen höchste Aufmerksamkeit. Die Teams arbeiten in Zweierschichten, patrouillieren regelmäßig über die Weiden und beobachten die Tiere. „Mit Wärmebildgeräten entdeckt man eine völlig neue Welt. Selbst eine ruhige Nacht wird plötzlich faszinierend“, erklärt eine Freiwillige. Dann mit der Dunkelheit verändert sich die Wahrnehmung. „Nachts sieht man weniger, dafür verlässt man sich viel stärker auf die anderen Sinne. Man achtet viel bewusster auf Geräusche und Bewegungen.“
Die Verantwortung wird spürbar. Jede Bewegung der Herde, jedes Geräusch im Wald kann relevant werden. Kommunikation und Vertrauen innerhalb der Teams sind entscheidend. Und manchmal ändert sich eine Situation innerhalb von Sekunden.
Dann kommen starke Lampen zum Einsatz. Licht dient dann nicht nur der Orientierung, sondern wird zum Werkzeug. Bei sogenannten „Scares“ – gezielten Abschreckungsaktionen – werden Wölfe mit Licht, Geräuschen und Bewegung auf Distanz gehalten.