DIE NACHTLÄUFERIN 

Wintermorgen. Der Wecker klingelt, lange bevor der Tag eine Ahnung von Licht hat. Draußen ist es still, kalt, dunkel. Für viele ist das die Zeit, in der man sich noch einmal umdreht. Für Ida-Sophie Hegemann ist es oft der Moment, in dem ihr Training beginnt. Nicht aus romantischer Verklärung, sondern aus Notwendigkeit. Also läuft sie los, während andere noch schlafen. 

Ida ist eine der erfolgreichsten deutschen Trail- und Ultraläuferinnnen, dekoriert mit Titeln bei diversen internationalen Top-Events. Die Dunkelheit ist dabei für Ida kein Stilmittel, kein ästhetischer Effekt für Social Media. Sie ist Teil ihres Alltags. Seit dem Wechsel von der Marathon- auf die Ultradistanz hat sich ihr Trainingsrhythmus verschoben. Viele Rennen starten abends oder mitten in der Nacht. Wer dort bestehen will, muss die Dunkelheit kennen – und aushalten. „Sich im Training an die Dunkelheit zu gewöhnen, hilft mir, im Rennen keine Angst davor zu haben“, sagt Ida. 

Dabei war das nicht immer selbstverständlich. Am Anfang lief sie mit schwachem Licht, vorsichtig, fast zögerlich. Aus Sorge, die Batterie könnte nicht reichen. Besonders bergab kostete sie das Zeit und Selbstvertrauen. „Ich habe mich damit selbst ausgebremst“, sagt sie rückblickend und schüttelt ungläubig den Kopf. 

EIN MOMENT, DER BLEIBT 

Der Wendepunkt kam in einem Rennen 2024, irgendwo im nächtlichen Downhill. Sie lief hinter einem anderen Athleten, sah, wie mutig er bergab lief. Sein Lichtkegel war breit, hell und verhieß, verlässlich zu sein. „Ich habe versucht, mich nicht abschütteln zu lassen und mich an ihn und seinen Lichtkegel gehängt.“ Im nächsten Gegenanstieg erzählte der Läufer ihr dann, dass er bergab immer mit voller Lichtleistung laufe. Die Downhills in der Nacht, erklärte er, seien seine Stärke. 

Dieser Satz blieb hängen. Aus einer Unsicherheit wurde ein Projekt. Ida begann, gezielt daran zu arbeiten, das Nachtlaufen nicht nur zu akzeptieren, sondern zu beherrschen. Licht spielte dabei eine zentrale Rolle, als Quelle für Sicherheit und Vertrauen. „Ohne Licht habe ich keine Trittsicherheit, keine Orientierung“, sagt sie. Der Lichtkegel müsse den Weg weisen, Markierungen sichtbar machen – und stark genug sein, „damit ich mutig und schnell laufen kann, egal, wie das Terrain ist.“ 

DIE NACHT ALS STÄRKE

Ein paar Stunden vor ihrem Nachtstart beim Salomon Zugspitz Ultratrail powered by Ledlenser im Jahr 2024 lieh sich Ida eine NEO9R. „Meine Stirnlampe war beim vorherigen Rennen ständig ausgegangen“, erinnert sich Ida. „Dadurch habe ich viel Zeit und Vertrauen verloren und ich wollte unbedingt verhindern, dass mir das gleiche wieder passiert.“ Um 23 Uhr lief sie los in die Dunkelheit. Die Stirnlampe leuchtete ihr den Weg und hielt die ganze Nacht. In den Downhills stellte Ida auf die hellste Stufe und verlor keine Zeit. Als es hell wurde und sie ins Ziel lief, war sie nicht nur die schnellste Frau, sondern kam insgesamt als Zweite ins Ziel – unter allen Teilnehmenden des Rennens. „Das war das erste Mal, dass ich mir die Dunkelheit wirklich zur Stärke gemacht habe.“

Grundlage ihrer sportlichen Erfolge ist das Training – oftmals auch in der Dunkelheit. Nachttrainings fordern dabei besondere Konzentration, vor allem nach langen Tagen, früh am Morgen oder spät am Abend. Der Körper ist auf Ruhe programmiert, Reize sind reduziert, die Aufmerksamkeit schneller erschöpft. „Nachts ist man müde, der Fokus rutscht schneller weg“, weiß Ida. Gleichzeitig lässt sie das Abschweifen der Gedanken bewusst zu. „Manchmal hilft es, dass die Kilometer und Stunden schneller vergehen, ohne in ein mentales Tief zu rutschen.“ Ein kleiner Stolperer reicht dann oft, um die Aufmerksamkeit wieder ganz auf den Moment zu lenken. Ich den Nachtläufen trainiert Ida so nicht nur ihre Ausdauer, sondern auch ihre mentale Resilienz – die Fähigkeit, trotz Erschöpfung ruhig zu bleiben, sich neu zu fokussieren und weiterzumachen.

VERTRAUEN IN SICH SELBST 

Weiterzumachen, bis jener Moment kommt, den Ida besonders liebt: der Augenblick kurz vor der blauen Stunde. „Wenn es langsam heller wird und die Natur erwacht, dann weiß ich: Ich habe schon viel geschafft.“ Es ist ein stiller Übergang – von der Nacht in den Tag, von Erschöpfung zu Zuversicht. Aus dieser Erfahrung ist für Ida etwas Grundsätzliches geworden. Was einst eine zeitliche Einschränkung war, empfindet sie heute als eine Form von Freiheit. Sie trainiert unter Bedingungen, die nicht perfekt sind – und genau darin liegt der Gewinn. „Jedes harte Training macht mich stärker“, sagt sie. Nicht nur für die Rennen, sondern für Situationen, in denen Flexibilität und Anpassung gefragt sind. 

Denn, wer in der Dunkelheit sicher und schnell laufen kann, ist auf vieles vorbereitet. Es braucht ein geschärftes Körpergefühl, Balance, Trittsicherheit. Dann gibt der Herzschlag den Takt vor, der Lichtkegel schafft Orientierung. Es entsteht Vertrauen, vor allem in sich selbst. Und dieses Vertrauen endet nicht auf dem Trail. 

„Ich habe gelernt, Dinge anzugehen, die mir zunächst Angst machen, und nicht auf ideale Bedingungen zu warten“, sagt Ida. „Sonst verpasst man Chancen, von denen man gar nicht weiß, wie gut sie einem tun können.“ Die Dunkelheit auf den Trails ist geblieben, doch sie hat ihren Schrecken verloren. Aus Unsicherheit wurden Stärke und die Gewissheit, dass man nicht darauf warten muss, bis die Welt hell wird, sondern selbst entscheiden kann, wie man ihr begegnet.

DIE NACHTLÄUFERIN
Wintermorgen. Der Wecker klingelt, lange bevor der Tag eine Ahnung von Licht hat. Draußen ist es still, kalt, dunkel. Für viele ist das die Zeit, in der man sich noch einmal umdreht. Für Ida-Sophie Hegemann ist es oft der Moment, in dem ihr Training beginnt. Nicht aus romantischer Verklärung, sondern aus Notwendigkeit. Also läuft sie los, während andere noch schlafen. 

Ida ist eine der erfolgreichsten deutschen Trail- und Ultraläuferinnnen, dekoriert mit Titeln bei diversen internationalen Top-Events. Die Dunkelheit ist dabei für Ida kein Stilmittel, kein ästhetischer Effekt für Social Media. Sie ist Teil ihres Alltags. Seit dem Wechsel von der Marathon- auf die Ultradistanz hat sich ihr Trainingsrhythmus verschoben. Viele Rennen starten abends oder mitten in der Nacht. Wer dort bestehen will, muss die Dunkelheit kennen – und aushalten. „Sich im Training an die Dunkelheit zu gewöhnen, hilft mir, im Rennen keine Angst davor zu haben“, sagt Ida. 

Dabei war das nicht immer selbstverständlich. Am Anfang lief sie mit schwachem Licht, vorsichtig, fast zögerlich. Aus Sorge, die Batterie könnte nicht reichen. Besonders bergab kostete sie das Zeit und Selbstvertrauen. „Ich habe mich damit selbst ausgebremst“, sagt sie rückblickend und schüttelt ungläubig den Kopf. 

EIN MOMENT, DER BLEIBT

Der Wendepunkt kam in einem Rennen 2024, irgendwo im nächtlichen Downhill. Sie lief hinter einem anderen Athleten, sah, wie mutig er bergab lief. Sein Lichtkegel war breit, hell und verhieß, verlässlich zu sein. „Ich habe versucht, mich nicht abschütteln zu lassen und mich an ihn und seinen Lichtkegel gehängt.“ Im nächsten Gegenanstieg erzählte der Läufer ihr dann, dass er bergab immer mit voller Lichtleistung laufe. Die Downhills in der Nacht, erklärte er, seien seine Stärke. 

Dieser Satz blieb hängen. Aus einer Unsicherheit wurde ein Projekt. Ida begann, gezielt daran zu arbeiten, das Nachtlaufen nicht nur zu akzeptieren, sondern zu beherrschen. Licht spielte dabei eine zentrale Rolle, als Quelle für Sicherheit und Vertrauen. „Ohne Licht habe ich keine Trittsicherheit, keine Orientierung“, sagt sie. Der Lichtkegel müsse den Weg weisen, Markierungen sichtbar machen – und stark genug sein, „damit ich mutig und schnell laufen kann, egal, wie das Terrain ist.“ 

DIE NACHT ALS STÄRKE 

Ein paar Stunden vor ihrem Nachtstart beim Salomon Zugspitz Ultratrail powered by Ledlenser im Jahr 2024 lieh sich Ida eine NEO9R. „Meine Stirnlampe war beim vorherigen Rennen ständig ausgegangen“, erinnert sich Ida. „Dadurch habe ich viel Zeit und Vertrauen verloren und ich wollte unbedingt verhindern, dass mir das gleiche wieder passiert.“ Um 23 Uhr lief sie los in die Dunkelheit. Die Stirnlampe leuchtete ihr den Weg und hielt die ganze Nacht. In den Downhills stellte Ida auf die hellste Stufe und verlor keine Zeit. Als es hell wurde und sie ins Ziel lief, war sie nicht nur die schnellste Frau, sondern kam insgesamt als Zweite ins Ziel – unter allen Teilnehmenden des Rennens. „Das war das erste Mal, dass ich mir die Dunkelheit wirklich zur Stärke gemacht habe.“

Grundlage ihrer sportlichen Erfolge ist das Training – oftmals auch in der Dunkelheit. Nachttrainings fordern dabei besondere Konzentration, vor allem nach langen Tagen, früh am Morgen oder spät am Abend. Der Körper ist auf Ruhe programmiert, Reize sind reduziert, die Aufmerksamkeit schneller erschöpft. „Nachts ist man müde, der Fokus rutscht schneller weg“, weiß Ida. Gleichzeitig lässt sie das Abschweifen der Gedanken bewusst zu. „Manchmal hilft es, dass die Kilometer und Stunden schneller vergehen, ohne in ein mentales Tief zu rutschen.“ Ein kleiner Stolperer reicht dann oft, um die Aufmerksamkeit wieder ganz auf den Moment zu lenken. Ich den Nachtläufen trainiert Ida so nicht nur ihre Ausdauer, sondern auch ihre mentale Resilienz – die Fähigkeit, trotz Erschöpfung ruhig zu bleiben, sich neu zu fokussieren und weiterzumachen. 

VERTRAUEN IN SICH SELBST
Weiterzumachen, bis jener Moment kommt, den Ida besonders liebt: der Augenblick kurz vor der blauen Stunde. „Wenn es langsam heller wird und die Natur erwacht, dann weiß ich: Ich habe schon viel geschafft.“ Es ist ein stiller Übergang – von der Nacht in den Tag, von Erschöpfung zu Zuversicht. Aus dieser Erfahrung ist für Ida etwas Grundsätzliches geworden. Was einst eine zeitliche Einschränkung war, empfindet sie heute als eine Form von Freiheit. Sie trainiert unter Bedingungen, die nicht perfekt sind – und genau darin liegt der Gewinn. „Jedes harte Training macht mich stärker“, sagt sie. Nicht nur für die Rennen, sondern für Situationen, in denen Flexibilität und Anpassung gefragt sind. 

Denn, wer in der Dunkelheit sicher und schnell laufen kann, ist auf vieles vorbereitet. Es braucht ein geschärftes Körpergefühl, Balance, Trittsicherheit. Dann gibt der Herzschlag den Takt vor, der Lichtkegel schafft Orientierung. Es entsteht Vertrauen, vor allem in sich selbst. Und dieses Vertrauen endet nicht auf dem Trail.

„Ich habe gelernt, Dinge anzugehen, die mir zunächst Angst machen, und nicht auf ideale Bedingungen zu warten“, sagt Ida. „Sonst verpasst man Chancen, von denen man gar nicht weiß, wie gut sie einem tun können.“ Die Dunkelheit auf den Trails ist geblieben, doch sie hat ihren Schrecken verloren. Aus Unsicherheit wurden Stärke und die Gewissheit, dass man nicht darauf warten muss, bis die Welt hell wird, sondern selbst entscheiden kann, wie man ihr begegnet.

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